SENIORENSTÜTZENDE GENOSSENSCHAFTEN - In: "Contraste", Juni 2011
Zwingt die demographische Situation, wie sie in dem Film »2030 – Aufstand der Alten« dargestellt wird, tatsächlich die Staaten, über Wege nachzudenken, wie sie sich der Alten kostensparend entledigen können? Oder haben wir bereits die Lösung? Von der Politik und von der Wissenschaft liegen zahlreiche mehr, oft weniger kluge Ausführungen dazu vor. In diesem Schwerpunkt wird bei den zahlreich vorhandenen innovativen Ansätzen im Genossenschaftssektor nach Anstößen gesucht. Sie zeigen, wie das Ganze in Sozialgenossenschaften durch eine Mischung von Professionalität und Ehrenamt bereits auf vielfältige Weise angegangen wird.
Von Burghard Flieger, Red. Genossenschaften
Das regelmäßige Beschwören der negativen Folgen des demographischen Wandels findet seine Wurzeln bereits in den Entwicklungen Mitte der achtziger Jahre. Schon hier war die Entwicklung zu einer alternden Gesellschaft klar erkennbar. Jeder, der wollte, konnte schon damals die zu erwartenden Auswirkungen sehen:
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Zunehmende Lebenserwartung und Rentenbezugsdauer. |
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Mehr Ältere, die Rente beziehen, Hilfen im Alltag und ggf. Pflege brauchen. |
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Weniger Jüngere, die in die Sozialsysteme einzahlen und als Mitarbeiter in der Altenpflege zur Verfügung stehen. |
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Stagnierende Renten. |
Verbreiten durch Imitation
Der Schwerpunkt seniorenstützende Genossenschaften gibt einen guten ersten Einblick in die vielfältigen Beispiele, die auf einzelwirtschaftlicher Ebene bereits eigene Lösungen umsetzen. Einige sind schon beeindruckend stabil und überzeugend. Viele müssen aufgrund ihrer Jugend noch die eine oder andere Bewährungsprobe überstehen, um Kraft ihres Beispiels zu verstärkter Nachahmung anzuregen. Es wird bewusst nicht der Begriff Seniorengenossenschaften verwendet, da bei einem Teil dieser Genossenschaften nicht die Senioren die Träger bzw. Mitglieder der Genossenschaften sind. Gleichzeitig kann auf zwei Trends bei den Genossenschaften hingewiesen werden. Bei einigen stehen Dienstleistungen für Senioren im Mittelpunkt, andere gehen stärker von dem Bedürfnis des Wohnens aus, so dass hier der Charakter einer Wohnungsbaugenossenschaft mit besonderer Ausrichtung dominiert. Die sinnvolle Verknüpfung von beidem erweist sich offensichtlich zumindest in der Startphase oft als schwierig, so dass hier bei vielen Genossenschaftsansätzen erst im Zeitverlauf zusammenwächst, was gut zusammenpasst.
Dienstleistung und Wohnen
Wohnen spielt bei der »Familiengenossenschaft« aus der Metropolregion Rhein-Neckar keine Rolle. Sie kommt aus der qualifizierten Kinderbetreuung und erweitert diesen Ansatz mittlerweile mit der Seniorenbetreuung. Dagegen steuert das Netzwerk »Wir für uns« (WfU) direkt darauf zu, ältere Mitbürger zu unterstützen, um ihnen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen. WfU will das vorhandene Seniorenangebot in der Gemeinde Heroldsbach ergänzen. Im Unterschied zur »Seniorengenossenschaft Riedlingen e.V.«, setzt sie dies in der Rechtsform der Genossenschaft um. Diese Rechtsform war auch Anliegen der Riedlinger, die bundesweit mittlerweile das Vorzeigeprojekt sind. Die Vereinskonstruktion ermöglicht aber steuerliche Vereinfachungen wie Verzicht auf die Mehrwertsteuer und Arbeiten mit der Übungsleiterpauschale, so dass auf die ursprünglich vorgesehene Umwandlung verzichtet wurde. Die »sen.FIT«, Wohnungsgenossenschaft für ALT + JUNG, stellt vor allem das Wohnen in den Vordergrund. Als Dachgenossenschaft will sie vielen kleinen Wohnprojekten die genossenschaftlichen Vorteile ermöglichen. Jedes Wohnprojekt soll im Bereich der Dienstleistungen nach eigenen Lösungen suchen. Dagegen werden bei der Genossenschaft »Senioren Wohnen« in Neukirchen mit dem Wohnen unmittelbar neue Wohn-, Pflege- und Betreuungsformen für ein würdevolles Altern verbunden. Das Besondere ist der Wohngemeinschaftsansatz, der diesen Ansatz so sympathisch macht. Er gleicht hier der »Sozialgenossenschaft WoGA Pfullendorf eG«, die aber das Ganze strategischer angeht und austestet, ob sich Bürger verstärkt als Investoren einbinden lassen.
Schwerpunktthema Seite 7 bis 10 in: Contraste, Ausgabe Juni 2011; abrufbar unter: http://www.contraste.org/






